Der allerschönste Platz ist an der Bibliotheke

Begeisterte Leserinnen und Leser trafen sich kürzlich am 12. Januar im Bibliothekszentrum Klosterbau zum Neujahrsempfang des Freundeskreises der Stadtbibliothek. Der 1. Vorsitzende begrüßte die zahlreichen Gäste, erzählte in aller Kürze, was der Freundeskreis im letzten Jahr eigentlich so gemacht hat: Unter anderem war er am Bücherflohmarkt beteiligt, unternahm eine Exkursion zur Mauritius-Mediathek in Wiesbaden, und hat die Bibliothek aktiv bei der Vorbereitung der Selbstverbuchung unterstützt.

Unter der Überschrift „Über notorisches Lesen“ hielt Jürgen Wagner die Neujahrsansprache. In seinem Vortrag referierte er, selbst bekennender notorischer Leser, über das Lesen im Allgemeinen und die Nutzung öffentlicher Bibliotheken im Besonderen.

Er schlug dabei einen Bogen von Karl Philipp Moritz‘ „Anton Reiser“ bis zu Robert Musil, wies auch auf die gefährlichen Seiten des Lesens hin, z.B. wenn man beim Lesen im Gehen die Mainzer Landstraße in Frankfurt überqueren will. Lesen kann eine gefährliche Sache sein. Das staunende Publikum erfuhr auch, dass der Aufklärer und Pädagoge Joachim Heinrich Campe vor dem übermäßigen Lesen gewarnt hat, da dies dazu führe, dass Frauen ihre Aufgaben im Haushalt vernachlässigten, ihren Kindern keine Aufmerksamkeit schenkten und, da sie durch das viele Lesen kaum an die frische Luft kämen, körperlich geschwächt würden. Jürgen Wagner führte aus, dass die Lesesucht abhängig macht. Was sogar dazu führt, dass die Leser sich in die dunkelsten Altstadt-Ecken begeben, in Räume, die vollgestellt sind mit meterhohen Regalen, „in denen der Stoff lagert, mit dem uns die Dealer – Bibliothekarinnen und Bibliothekare – anfixen und versorgen.“

Mit einer leichten Abwandlung des Refrains eines alten Schunkelliedes, bekannt durch Willy Millowitsch, Margit Sponheimer und vielen anderen, stellte Jürgen Wagner fest: „Der schönste Platz ist immer an der Theke …“, wenn es sich um eine Bibliotheke handelt.

Der zweite Teil der Neujahrsmatinee des Freundeskreises stand unter dem Motto „Mein Lieblingsgedicht“. Unerwartet viele Herren aus dem Publikum hatten ein, einige sogar mehrere Lieblingsgedichte mitgebracht, die Damen hielten sich eher zurück, hatten aber Gedichte von Erich Kästner und Robert Gernhardt dabei. Ein kurzweiliger Querschnitt durch das lyrische Schaffen bekannter Autoren wurde geboten. Die Palette der Lieblingsgedichte reichte von Shakespeare, über Uhlands heutzutage politisch unkorrekten, aber dennoch „Wackeren Schwaben“, bis zu Enzensbergers „Hasen im Rechenzentrum“, Tucholskys „Ideal“ und Mühsams „Revoluzzer“, um nur einige zu nennen.

Für Speis (Kuchen) und Trank (Sekt, Kaffee, O-Saft) war gesorgt und so klang die Veranstaltung in angenehmer Atmosphäre aus.

Bilder: Helmut Schilling